Institut zur Förderung der Glaubenslehre

 

Benedikt XVI.

Bei seiner Rede im Deutschen Bundestag über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats am 22. September hat Papst Benedikt XVI. die Grenze eines verbreitet positivistischen Denkens und der damit einhergehenden "selbstgemachten Welt" deutlich gemacht. Der positivistische Naturbegriff ist reduktionistisch und erreicht die Welt nicht in ihrer ganzen Weite und Tiefe. Als Beispiel für eine Überwindung dieser positivistischen Engführung hat Benedikt XVI. die ökologische Bewegung genannt: "Jungen Menschen war bewusst geworden, dass irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt; dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt, und wir ihrer Weisung folgen müssen. [...] Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten, und wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten."

Papst Benedikt im Bundestag

Was tun, wenn der Mensch die Erde auffrisst?

Es ist eine Entwicklung, die sich bereits seit Jahrzehnten abzeichnet und deren Konsequenzen seit der Jahrtausendwende  in aller Deutlichkeit hervortreten: Globale Erwärmung, Ozeane leergefischt und am Übersäuern, Dezimierung der Arten, Lebensmittelpreise wegen realer Knappheit auf Rekord, die größten Dürren gefolgt von Extremregen, dessen Fluten alles hinwegspülen, Wasserknappheit in den Wachstumsregionen, Jahrhunderthunger in Ostafrika – und das alles ist erst der Anfang einer unheilvollen, entfesselten Dynamik, die aufgrund der globalen Erwärmung und anderer anthropogener Faktoren immer weiter zunimmt. Manche sprechen bereits von einer erdgeschichtlichen Epoche ganz im Zeichen des Menschen und nennen diese, mehr verschämt als stolz, Anthropozän: Menschenzeitalter.

Immer mehr Menschen – heute 7 Mrd, 2025 8 Mrd, 2083 10 Mrd, und zwar bei moderater Entwicklung und geringeren Geburtenraten als heute – beanspruchen für sich und ihresgleichen einen immer größeren Teil der Flächen und der Ressourcen dieser Erde. Dabei drängen die Menschen die übrigen Lebewesen unaufhörlich zur Seite. Besonders sichtbar wird dies bei den Säugetieren. Die weltweite Vernichtung der natürlichen Lebensräume durch zunehmende menschliche Besiedelung, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserbau, Flächenversiegelung, Umweltverschmutzung und Klimawandel hat zur Ausrottung ganzer Populationen und einem stark beschleunigten Artensterben geführt. Nicht einmal für die Menschen selbst ist diese Entwicklung gesund.

Immer größere Teile der Ökosysteme weltweit werden von der menschlichen Einflussnahme erfasst, geschädigt, zerstört – sei es unmittelbar wie bei den Brandrodungen im Amazonas-Regenwald, sei es schleichend-mittelbar wie durch die globale Erwärmung und den dadurch bedingten Klimawandel. Der Anteil an natürlichen Ökosystemen wie Regenwälder und intakt funktionierende Meeresökosysteme sinkt beständig. Seit Beginn des 20. Jhd. sind etwa die Hälfte der weltweiten Feuchtgebiete und 40% aller Waldflächen menschenbedingt bereits verloren gegangen. Der zunehmende menschliche Verbrauch an Flächen und Ressourcen sowie die steigenden Emissionen ziehen die Ökosysteme weltweit in ihren Bann und bringen diese nach und nach zum Kollabieren.

             Die Hungerkatastrophen in Äthiopien und in der Sahelzone in den frühen 70er und 80er Jahren galten vor allem als Indiz für eine ungerechte Verteilung von Gütern – Lebensmittel wären weltweit gesehen genügend vorhanden, man müsse diese eben umverteilen – so die damals vorherrschende Meinung. Inzwischen aber hat die komfortable Situation, einfach nur umverteilen zu können, ihre Grundlage verloren. Eine Schwelle ist erreicht, da es aufgehört hat, für alle zu reichen – aus mehreren Gründen: auch weil immer mehr Esser dazugekommen sind; auch weil der pro Kopf-Verbrauch gestiegen ist; auch weil immer mehr Menschen zur neuen Mittelschicht in Asien, Afrika oder Lateinamerika aufschließen und Wohlstand erreichen, Millionen von ihnen sich neuerdings Fleisch leisten können und dies auch tatsächlich tun; auch weil die Menschen in Industriestaaten und Schwellenländern den Löwenanteil an den Ressourcen verbrauchen; auch weil viele Pflanzen statt als Nahrungsmittel ebenso als Energieträger verwertet werden können, daher die Märkte für Lebensmittel und Energie zusammengewachsen und wegen stark steigender Nachfrage beide unter gewaltigen Druck geraten sind.

             Die seit der Jahrtausendwende explodierten Nahrungsmittelpreise sind das Resultat einer realen Verknappung, nicht etwa das Machwerk gieriger Spekulanten. Die Nachfrage ist explodiert, das Angebot steht unter gewaltigem Druck. Der Klimawandel belastet die Landwirtschaft in nennenswertem Umfang, regional bis hin zur Unmöglichkeit, wenn anstelle eines früher relativ verlässlich planbaren Monsuns nun Dürren und Fluten einander abwechseln. Vielerorts hat die Intensivbewirtschaftung die Tragfähigkeit der Böden überschritten. Längerfristig sinken die Erträge, die Böden degradieren und versalzen bis hin zur Degeneration. Deutlich überstrapaziert ist die Wassersituation vor allem in den armen, trockenen Gebieten, in denen die Bevölkerung zudem am stärksten wächst.

             Entgegen allen politischen Initiativen und trotz der bereitstehenden grünen Technologien ist es bisher nicht gelungen, den globalen Ausstoß von Treibhausgasen auch de facto zu begrenzen. Ganz im Gegenteil: Der Verbrauch an fossilen Energieträgern erreicht 2011 wieder einen neuen Rekord. Der menschliche Ausstoß von Treibhausgasen, insbesondere CO2, erklimmt ein Allzeit-Hoch nach dem anderen und steigt auch in den nächsten Jahren zwangsläufig immer weiter an, sogar weit über jenes Maß hinaus, das zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2° notwendig wäre: ein völkerrechtlich verbindliches Ziel, welches einzuhalten Tag für Tag unrealistischer wird. Längerfristige Orientierung statt kurzfristigem Nutzen? Fehlanzeige. Ökologie sticht Ökonomie? Eine Utopie.

             Der Ressourcenverbrauch in seinem ganzen Spektrum übersteigt die Kapazität der Erde deutlich. Limits sind nicht nur erreicht, sondern längst und bei weitem überschritten. Allein der menschliche Verbrauch – und es gibt nicht nur Menschen auf der Welt – liegt heute um 50% oberhalb dessen, was die Erde für alle Lebewesen gemeinsam überhaupt bereitstellen und regenerieren kann. 1976 hat der menschliche Verbrauch die 100% Marke bei der Kapazität durchbrochen. Die Überstrapazierung dauert mittlerweile seit fast 40 Jahren an – wer kann so etwas verkraften?

             Eigentlich verbrauchen wir bereits jetzt 1,5 Planeten Erde – es gibt aber nur diesen einen Globus. 2050 bräuchten wir 3 Erden. Und wenn alle so leben würden wie die Deutschen, die ja nicht einmal als die Schlimmsten gelten, dann bräuchten wir schon heute 3 Planeten Erde, deren Biokapazität allein von Menschen vollständig ausgeschöpft würde.

             Ein Verbrauch der Biokapazität der Erde in Höhe von 150% dessen, was vorhanden ist, eine anhaltende globale Überstrapazierung, eine Weltbevölkerung von 7 Mrd, die jeden Tag weiter wächst – das sind nicht mehr nur abstrakte Zahlen, die man vermelden, verwalten und archivieren kann. Das ist der Ernstfall.     weiter

perikopen.de

exegetisch-theologischer Kommentar der
Evangelientexte für die Sonntage und Hochfeste


wissenschaftliche, textstellenbezogene Zusammenschau von Einzelexegese,  Hintergrundinformationen und neutestamentlicher Theologie • Aggregation der relevanten Stoffe in eine kompakte, synthetische Darstellung • Grundlagen und Orientierungshilfen zur eigenständigen Erschließung des Textes: zur persönlichen Auseinandersetzung, für den Dienst der Verkündigung oder in Vorbereitung eines Bibelgesprächs • Gemeinschaftswerk zahlreicher Neutestamentler und Theologen aus dem deutschen Sprachraum • In Würdigung der hermeneutischen Dimension der Zeugnisse der Schrift wird der Weg frei für die aneignende Bemühung und die Begegnung mit dem Wort
Gottes.

Die Kommentare für die kommenden Sonntage finden Sie hier.

 

 eucharistie-online

Die Feier der Eucharistie markiert die Mitte des kirchlichen Lebens. Die Kirche lebt von der Eucharistie (ecclesia de eucharistia). Indem die Kirche begeht, was Jesus Christus begangen hat, erhält sie Anteil an ihm. Im Modus erinnernden Begehens - auf die Weise einer intentional bestimmten äußerlich zum Ausdruck gebrachten perlokutionären, persignifikativen Zeichenhandlung - partizipiert die in der feiernden Versammlung repräsentierte Kirche am Herrn. Auf anamnetisch-epikletische Weise wird sie pneumatisch selbst eingeborgen in das Pascha-Mysterium des Herrn. Indem die Kirche so voll und ganz hineingenommen ist in Gottes Großtat, ist diese zugleich in der Kirche repräsentiert, d.h. wirklich vergegenwärtigt (Aktual- und Realpräsenz). Die Feier der Eucharistie umfasst so Gedächtnis, Vergegenwärtigung und Mitvollzug von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn sowie seiner Vollendung in der Herrlichkeit des Vaters. In der Feier der Eucharistie wird die wirkmächtige Gegenwart des Herrn zum sakramentalen Ereignis; in ihr ist das Pascha-Mysterium sakramental verdichtet.

Eine ausführliche Erläuterung der Abläufe finden Sie hier.

Jörg-Splett-Archiv

Vorlesungen und Studientage zu den Kernthemen christlicher Philosophie zum Nach-Hören im Audio-Archiv
zur Zeit im Aufbau

Themen

Nein zur Organspende
Durch eine Organtransplantation den Nutzen eines Kranken zu mehren, ohne dem Organspender Schaden zuzufügen - dieses Kalkül geht nicht auf. Die Postmortalität der Organentnahme ist fraglicher denn je. Zudem sind die Anzeichen klar und deutlich, dass bei der Explantation dem Spender ein wirklicher Schaden zugefügt wird. Aus Achtung vor dem Leben des Menschen ist es nicht legitim, die Organe aus seinem Leib zu entnehmen, der zu jenem Zeitpunkt noch immer ein Sterbender und kein Leichnam ist. weiter

Gotteserfahrung im Denken
Gotteserfahrung im Denken bietet einen Ansatz, das Sprechen von Gott philosophisch zu legitimieren. In-über vielfältiger Sinnerfahrung eröffnet sich dem Menschen eine Erfahrung Gottes.  weiter
 

Grundvollzüge der Person
Der Begriff der Person ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu einem Schlüsselbegriff für das Verständnis des Menschen geworden. Mit seinem Buch Personen. Versuche zum Unterschied zwischen ‚etwas’ und ‚jemand’ hat Robert Spaemann – angestoßen durch zeitgenössische Debatten – eine grundlegende und maßgebliche Stellungnahme formuliert und zugleich seinen eigenen Beiträgen zu anthropologischen und ethischen Themen ein umfassendes Fundament gegeben. In die Überlegungen des Personen-Buchs fließen – wenn auch zum Teil implizit und in Andeutung – die verschiedenen Grundmotive des Denkens Spaemanns ein: seine Wiederentdeckung der Naturteleologie, seine Lehre vom gelingenden Leben, seine Verteidigung des Gottesgedankens auf der Grundlage von Vernunft und Sprache sowie sein Verständnis vom künstlerisch-gestalterischen Tätigsein des Menschen. Der Begriff der Person erlangt dadurch den Status eines Grundbegriffs, der es erlaubt, die einzelnen Aspekte seiner Philosophie von hier aus zu entfalten. Im Ausgang von Robert Spaemanns Verständnis von Person lassen sich verschiedenen Dimensionen des Menschseins explizieren.  weiter
Mit einer Bibliographie der Schriften Robert Spaemanns

 

Person und Glaube
Person ist ein Würdename. Er gebührt dem Menschen als Gewissens-Wesen, insofern er des Anspruchs gewürdigt wird, unbedingt der Wahrheit die Ehre zu geben. Weder Personsein noch Würde sind empirische Fakten. Sie begegnen nur in einem gewissenhaften Verständnis der Empirie. Solche Deutung – Glaube genannt – erfasst über den Menschen mit seinem Gewissen hinaus auch das Woher dieses Anrufs und nennt es Gott. Der Mensch wird zur Antwort gerufen. Sein Selbst erfüllt sich im Selbst-Überstieg - und findet so das Glück.  weiter

 

christliche Existenz
Was macht christliche Existenz aus? Eine Erläuterung dieser Frage zielt auf die Identität des Gläubigen insgesamt, nicht nur auf einzelne Aspekte von Glauben oder Weltanschauung. Daher genügt keine partikulare Antwort. Zahlreiche Themenfelder ragen ineinander und leuchten jeweils einzelne Aspekte des Einen und Ganzen aus. Christliche Existenz zu erläutern, zielt auf die Einholung eines Gesamtverständnisses, welches alle exisistenzrelevanten Bereiche des Menschen in sich schließt: den Bereich des Glaubens (Theologie, Oikonomie), die natürliche Ordnung (Kreatürlichkeit), Dimensionen der Antwort (Annahme, Hingabe, Selbstvollzug, Weltbezug, Dienst), das Leben der Kirche, Spiritualität und die Tatsache der Vorläufigkeit irdischer Pilgerschaft unterwegs zur Vollendung bei Gott.  weiter
 

Denken im Glauben
Denken im Glauben markiert einen Grundvollzug des Menschen vor Gott. Durchdringung und Reflexion sind für ein Leben im Glauben nicht verzichtbar. Daher "muß das Volk Gottes sein Glaubensleben ständig in sich selbst erwecken oder neu beleben, zumal durch eine immer tiefere Reflexion, die sich unter der Führung des Heiligen Geistes mit dem Inhalt des Glaubens selbst auseinandersetzt" (Instruktion über die kirchliche Berufung des Theologen). Eine Neuausrichtung ist erforderlich, die dem programmatischen "duc in altum" (novo millennio ineunte) zu Beginn des dritten Jahrtausends Rechnung trägt. Dies betrifft die Verkündigung, die Theologie wie auch die Sorge um den vitalen Glauben jedes Einzelnen, den es je neu zu entfachen und zu vertiefen gilt.    weiter
   

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